Zerspanung einfach erklärt: Verfahren, Begriffe, Grenzen
Was Zerspanen ist, welche Verfahren dazugehören und was die Fachbegriffe im Einkauf bedeuten.
Zerspanen: Begriff und Verfahren
Zerspanen heißt, Werkstoff mit einer Schneide in Form von Spänen abzutragen. Das Ergebnis ist ein Teil, das kleiner ist als sein Rohteil; die Differenz endet als Span. Sie heißt Spanvolumen, und im Verhältnis zum Rohteil ergibt sie den Zerspanungsanteil, den der Rechner bestimmt. DIN 8589 führt die Begriffe der spanenden Verfahren; zu den bekannten gehören Drehen, Fräsen, Bohren und Schleifen. Ihre Einteilung ist nicht Gegenstand dieser Seite, hier geht es um das, was alle gemeinsam haben: Material verschwindet.
Zwei Arbeitsstufen stecken in fast jedem zerspanten Teil, auch wenn die Zeichnung sie nicht nennt. Beim Schruppen wird viel Material rasch abgetragen, das Teil bekommt seine grobe Form und bleibt dabei etwas zu groß. Beim Schlichten wird wenig abgetragen, dafür genau: Maß und Oberfläche entstehen. Das zu große Maß nach dem Schruppen ist das Aufmaß, und es gehört zum Zerspanungsanteil dazu. Wer den Anteil senken will, muss deshalb nicht nur am Rohteil ansetzen, sondern auch daran, wie viel Aufmaß ein Teil wirklich braucht.
Für den Einkauf zählt vor allem, was Späne bedeuten. Der Werkstoff eines zerspanten Teils ist nie nur der Werkstoff des Fertigteils; er ist der Werkstoff des Rohteils. In vielen Kalkulationen wird das Material nach dem Rohteil gerechnet, nicht nach dem Fertigteil, und der Zerspanungsanteil legt fest, wie weit beides auseinanderliegt. Er erklärt auch, warum zwei Teile gleichen Gewichts verschieden viel Material verbrauchen können: Das eine entsteht aus einem Halbzeug nahe der Endform, das andere aus einem Vollblock.
- Spanvolumen: Rohteil minus Fertigteil
- Zerspanungsanteil: Spanvolumen im Verhältnis zum Rohteil
- Schruppen: viel Abtrag, Aufmaß bleibt
- Schlichten: wenig Abtrag, Maß und Oberfläche entstehen
- Materialausnutzung: der Rest, also Fertigteil im Verhältnis zum Rohteil
Die Begriffe auf einen Blick
Acht Wörter, die in Anfragen, Zeichnungen und Angeboten zerspanter Teile immer wieder vorkommen. Wer sie sicher benutzt, spart sich Rückfragen, denn gleiche Wörter meinen dann gleiche Dinge.
- Rohteil
- die Form, aus der das Teil zerspant wird, etwa ein Stangenabschnitt, ein Gussrohling oder ein Zuschnitt.
- Halbzeug
- Werkstoff in Standardform, aus dem ein Rohteil getrennt wird.
- Hüllkörper
- der kleinste einfache Körper, in den das Fertigteil hineinpasst, bei einer Welle ein Zylinder, bei einer Platte ein Quader.
- Zugabe
- Material, das auf jeder Seite über das Fertigmaß hinaus am Rohteil bleibt.
- Aufmaß
- Material, das ein Arbeitsgang für den nächsten stehen lässt.
- Fertigmaß
- das Maß, das die Zeichnung am fertigen Teil verlangt.
- Span
- das abgetragene Material; Späne lassen sich verwerten, sind aber nicht Teil der Lieferung.
- Materialausnutzung
- der Anteil des Rohteils, der im Fertigteil bleibt; das Gegenstück zum Zerspanungsanteil.
CNC-Zerspanung und mechanische Bearbeitung
Zwei Begriffe aus dem Einkauf und was sie bedeuten, wenn sie mit „Lohnfertigung“ zusammenstehen.
CNC bedeutet numerische Steuerung: Ein Programm legt fest, wie sich das Werkzeug relativ zum Teil bewegt, und niemand führt es von Hand. CNC-Zerspanung heißt also spanende Bearbeitung mit numerischer Steuerung. Der Zusatz beschreibt die Art der Bearbeitung. Im Einkauf steht der Begriff meist für Teile, die nach Zeichnung und Modell programmiert und bearbeitet werden, vom Einzelstück bis zur Wiederholung.
Wer das Wort in einer Anfrage verwendet, meint selten ein einzelnes Verfahren, sondern den Wunsch, ein Teil nach Zeichnung bearbeitet zu bekommen. Für die Anfrage genügt es, das Teil zu beschreiben; das Verfahren ergibt sich aus der Zeichnung.
Programmiert wird aus dem Modell, geprüft wird gegen die Zeichnung. Deshalb ist das Zusammenspiel beider Unterlagen eine naheliegende Rückfrage: Passt das Modell zum Stand der Zeichnung, und welche Angabe gilt, wenn sie sich unterscheiden? Auch das Volumen für den Zerspanungsanteil kommt aus dem Modell, und es stimmt nur, wenn das Modell das Fertigteil zeigt und nicht ein Zwischenmodell.
Die Wörter mechanische Bearbeitung und mechanische Fertigung stehen im Einkauf oft nebeneinander. Gemeint ist in der Regel das spanende Herstellen und Nacharbeiten von Metallteilen, im Unterschied zu chemischen oder thermischen Verfahren. Wo „mechanische Bearbeitung Lohnfertigung“ oder „mechanische Fertigung Lohnfertigung“ gesucht wird, steht dahinter der Wunsch, ein Teil nach der eigenen Zeichnung bearbeiten zu lassen und zu erhalten.
Der Vertrag über die Teile entsteht mit der Evotec GmbH. Welche Arbeitsgänge ein Teil durchläuft, ergibt sich aus der Zeichnung und steht im Angebot; die Anfrage muss sie nicht vorwegnehmen.
Wo Zerspanung an Grenzen stößt
Drei Eigenschaften eines Teils, an denen spanende Bearbeitung schwierig wird. Zahlen nennt die Seite nicht, denn die Grenze liegt beim einzelnen Teil. Grenzen sind keine Verbote: Für jede lässt sich eine Konstruktion finden, die sie vermeidet oder entschärft, und die Zeichnung ist der Ort dafür.
Zugänglichkeit: Die Schneide muss die Stelle erreichen. Tiefe, schmale Taschen, Hinterschnitte und Innenräume ohne Öffnung lassen sich schlecht oder gar nicht bearbeiten. Weil Werkzeuge rund sind, haben Innenecken einen Radius; eine scharfe Innenkante verlangt ein anderes Verfahren oder eine geänderte Konstruktion.
Schlankheit: Ein langes Teil mit kleinem Querschnitt weicht unter der Schnittkraft aus. Es biegt sich weg oder schwingt, und das Maß weicht ab. Je größer die Länge im Verhältnis zum Querschnitt, desto mehr Rücksicht braucht jeder Schnitt.
Wanddicke: Dünne Wände verformen sich beim Abtrag und können schwingen. Verlangt die Zeichnung sehr dünne Wände, bleibt oft nur ein vorsichtiger, mehrstufiger Abtrag, oder die Konstruktion ändert sich.
Was Sie für die Anfrage mitnehmen
Die Anfrage zu einem zerspanten Teil braucht das Fertigteil, nicht das Verfahren. Beschreiben Sie, was das Teil können muss, und geben Sie Rohteil und Zugabe nur als Annahme an. Der Rechner schreibt die Annahme aus Ihren Eingaben auf.
Besonders hilfreich sind Hinweise auf die Stellen, an denen die Grenzen der Zerspanung berührt werden: eine Innenecke, die scharf sein soll, eine sehr dünne Wand, ein langes Teil mit kleinem Querschnitt. Genau danach würde sonst die Rückfrage vor dem Angebot lauten.
- Fertigteil beschreiben, nicht das Verfahren vorgeben
- Rohteil und Zugabe als Annahme kennzeichnen
- Kritische Stellen in der Zeichnung markieren
- Werkstoff und Zustand angeben
Häufige Fragen
Spanende Bearbeitung mit numerischer Steuerung: Eine Steuerung führt die Bewegungen nach einem Programm aus. Der Zusatz beschreibt die Art der Bearbeitung.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
Rohteil abgeschätzt? Dann schicken Sie uns die Anfrage.
Zeichnung, Werkstoff und das Rechenergebnis reichen für den Einstieg; was noch fehlt, klären wir vor dem Angebot.