Halbzeug und Rohteil: Zuschnitt, Zugabe und Lieferform
Vom Stab bis zum Zuschnitt: welche Rohteile es gibt, wie viel Zugabe sinnvoll ist und was dazu in die Anfrage gehört.
Lieferformen von Halbzeug
Halbzeug ist Werkstoff in Standardform, aus dem ein Teil gearbeitet wird. Es kommt als Stab, Rohr, Platte oder Block. Die Form wählt man nach der Hülle des Fertigteils. Eine Rundstange passt zur Welle, ein Rohr zur Hülse, eine Platte zum Gehäuse oder Deckel, ein Sechskant zum Teil mit Schlüsselflächen. Je näher das Halbzeug an der Hülle des Teils liegt, desto weniger Material wird abgetragen.
Stangen gibt es rund, sechskantig, vierkantig und als Flachstab; sie werden warm gewalzt, gezogen oder geschält geliefert, und Oberfläche und Maßabweichung des Halbzeugs sind eigene Eigenschaften. Die Maße sind gestuft: Nicht jeder Durchmesser ist im Handel üblich, und das nächste Maß über dem benötigten bestimmt das Rohteil. Maßnormen regeln die Abmessungen je Form und Werkstoff, etwa DIN EN 10060 für warmgewalzten Rundstahl, DIN EN 10278 für Blankstahl und DIN EN 754 für gezogene Stangen und Rohre aus Aluminium.
Rohr und Vollmaterial unterscheiden sich im Rohteil beträchtlich. Für ein Teil mit durchgehender Bohrung spart ein Rohr das Ausbohren aus dem Vollen und damit einen großen Teil des Zerspanungsanteils; für ein Teil ohne Bohrung ist es die falsche Form. Platten und Blöcke werden meist auf Maß getrennt, sei es durch Sägen oder, bei dünneren Platten, durch thermisches Schneiden. Dabei bleibt am Schnitt eine Randzone zurück, die bei der Zugabe zu berücksichtigen ist.
Zusätzlich zum Querschnitt zählt die Länge: Ein Stangenabschnitt wird auf die Fertiglänge plus Zugabe getrennt, und der Trennschnitt selbst verbraucht Material, das im Rohteil nicht mehr vorkommt. Auch das gehört zur Materialrechnung eines Auftrags.
Ein Zuschnitt ist ein Stück, das von der Stange, dem Rohr oder der Platte auf Länge getrennt wird. Er ist das eigentliche Rohteil: Seine Länge steht in der Anfrage, sein Querschnitt kommt vom Halbzeug. Bei Platten und Blöcken liegt der Zuschnitt in zwei oder drei Richtungen fest, und jede davon trägt eine Zugabe.
Zugabe
Das Material, das auf jeder Seite über das Fertigmaß hinaus stehen bleibt, ist eine Entscheidung und kein Naturgesetz.
Die Zugabe je Seite ist beim Rechnen eine Eingabe. Diese Seite nennt keinen Wert, weil es keinen allgemeingültigen gibt: Sie hängt vom Teil ab. Mehrere Gründe wirken zusammen. Das Halbzeug hat selbst eine Maßabweichung, die ausgeglichen werden muss. Seine Oberfläche, etwa die Walzhaut oder eine Randschicht, soll nicht im Fertigteil bleiben. Lange, schlanke Stangen sind nie ganz gerade. Und folgt später eine Wärmebehandlung, braucht der Schritt danach noch Material zum Fertigstellen.
Dazu kommt der Zustand des Halbzeugs. Warm gewalztes Material hat eine rauere Oberfläche und größere Maßabweichungen als gezogenes oder geschältes; das verlangt mehr Zugabe. Der Werkstoffzustand, etwa weichgeglüht oder vergütet, gehört ebenfalls in die Anfrage, weil er das Verhalten beim Zerspanen und beim Verzug mitbestimmt.
Ein Durchmesser verliert die Zugabe auf beiden Seiten, deshalb zählt sie bei Durchmessern doppelt: Eine Zugabe von 2 mm je Seite macht einen um 4 mm größeren Durchmesser. Bei einer Bohrung ist es umgekehrt: Das Rohr muss innen kleiner sein als das Fertigmaß, damit auch dort Material bleibt.
Welche Fertigteilform zu welcher Lieferform passt
Eine Orientierung, keine Vorgabe: Die Zeichnung des Teils entscheidet.
| Fertigteil | Naheliegende Lieferform | Warum |
|---|---|---|
| Welle, Bolzen, Zapfen | Rundstab | Der größte Durchmesser bestimmt den Stab. |
| Hülse, Buchse mit Bohrung | Rohr | Die Bohrung muss nicht aus dem Vollen entstehen. |
| Teil mit Schlüsselflächen | Sechskant | Zwei oder mehr Flächen liegen schon vor. |
| Deckel, Platte, Gehäuse | Platte oder Block | Länge und Breite folgen dem Zuschnitt. |
Rohteil und Zeichnung
Die Zeichnung zeigt das Fertigteil, nicht das Rohteil. Ein Rohteilmaß, das in einer Fertigteil-Zeichnung steht, beschreibt einen Zwischenzustand und sollte als solcher gekennzeichnet sein. Nennen Sie Rohteilmaße in der Anfrage deshalb nur als Annahme: Welches Halbzeug und welche Zugabe in Frage kommen, klärt die Anfrage.
Eine brauchbare Annahme steht in einem Satz, etwa so: „Rohteilannahme: Rundstange, Zugabe je Seite als Wert, bitte prüfen.“ Der Zerspanungsanteil-Rechner schreibt diesen Satz aus Ihren Eingaben und fügt die Massen an.
Stellt der Auftraggeber das Rohteil selbst, etwa als Gussteil, Schmiedeteil oder vorgesägten Zuschnitt, sind dessen Maße und sein Aufmaß Teil der Anfrage. Die Zugabe entfällt dann als Annahme, weil das Rohteil sie schon enthält. Ob ein beigestelltes Rohteil in Frage kommt, klärt die Anfrage.
Häufige Fragen
Das hängt von Form, Werkstoff und Teil ab; der Rechner nimmt Ihre Zugabe als Eingabe, wir nennen keinen festen Wert.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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